Vorteile durch Nearshoring

Ihnen sagt der Begriff Nearshoring nichts? Nearshoring ist eine spezielle Form des Offshorings und wie der Name schon sagt, einfach näher beim Kunden und beschreibt letztlich genau das Business Modell von Rasminka. Das Gegenteil wäre Farshoring.

Standorte
Typische Nearshoring-Standorte für europäische Unternehmen sind Spanien, die Tschechische Republik, Ungarn, Portugal, Polen, die Slowakei, Rumänien, Bulgarien, die Ukraine, Weissrussland oder die baltischen Staaten. In den USA «nearshoren» Unternehmen nach Kanada und Mexiko. Diese Standorte sind erstens attraktiv, weil sie kostengünstiger sind, über gut ausgebildete Arbeitskräfte verfügen und zweitens, weil sie weniger reguliert sind. Daneben verfügen sie gegenüber traditionellen Farshoring-Standorten über zahlreiche weitere Vorteile.

Volkswagen lässt z.B. in Polen, der Tschechischen Republik, der Slowakei, Ungarn, Rumänien und Russland Autos bauen. Der Lohn ist in diesen Ländern zwar längst nicht so gering wie beispielsweise in Asien, Afrika oder Mittel- sowie Südamerika, dafür (über-)kompensieren andere Vorteile des Nearshorings diesen Nachteil, versichern dessen Anhänger. In folgendem spannenden Artikel erfahren Sie mehr über die Personalpolitik bei Nearshoringprojekten: https://businessplan-pro.ch/weka-artikel/.

Ein wichtiger Unterschied besteht zwischen Schengen und Nicht-Schengen Staaten. Während innerhalb der Schengen-Zone die grenzüberschreitende Mobilität erleichtert ist, weisen diese Standorte für die Unternehmen auch einen gewaltigen Nachteil auf, der insbesondere bei qualifizierten Arbeiten zum Tragen kommt. Qualifizierte ziehen – sobald sie einen gewissen Qualifikations- und Erfahrungsgrad erreicht haben –  in einen reicheren Staat mit besseren Perspektiven, um ihre Qualifikation zu monetarisieren. Dieser Brain-Drain hält die Arbeitgeber ab, in ihre Mitarbeiter zu investieren und erhöht in der Tendenz den Personalturnover, was wiederum die Konstanz und damit die Qualität der Dienstleistungen an diesen Standorten negativ beeinflusst. Gute Beispiele für Nicht-Schengen Standorte in Osteuropa sind die Ukraine oder Weissrussland, die sich in den vergangenen Jahren zu erfolgreichen IT-Outsourcing-Standorten entwickelt haben, während tiefer qualifizierte Outsourcing-Arbeiten eher selten zu finden sind.

Nearshoring

Kulturelle Verwandtschaft
Während es den meisten ziemlich egal ist, wer ihr iPhone zusammenschraubt (vielleicht sagen sie, es sei ihnen wichtig, aber kaufen tun sie es dann trotzdem), würden die meisten eine Zusammenarbeit mit Leuten aus einem ähnlichen Kulturkreis und in der gleichen Sprache begrüssen. Wenn gemeinsam an einem Projekt gearbeitet wird, spielen Kommunikation und organisatorische Fragen eine nicht zu unterschätzende Rolle. Oft ist aber auch das Verständnis von Lebensgewohnheiten und Businessabläufen wichtig, speziell wenn die Projekte in einem verhaltensrelevanten Kontext durchgeführt werden (z.B. Kundenakquisition, Grafik, Businessanalyse und Businessplanung). Es leuchtet schnell ein, dass ein Inder eher Mühe bekundet, sich in die Rolle eines KMU oder in dessen Kunden hineinzuversetzen, als eine Person, die eine geringere räumliche sowie kulturelle Distanz zum Zielmarkt aufweist. So verringert auch die gemeinsame Geschichte der europäischen Staaten die kulturelle Distanz und beeinflusst so die Kooperation und Zusammenarbeit im Team positiv.

Sprachliche Vorteile
Beim Outsourcing von Dienstleistungen spielen neben kulturellen auch sprachliche Barrieren eine wichtige Rolle. Englisch und Deutsch sind verbreitete Sprachen in Osteuropa, die Mehrheit der Bevölkerung mit einer höheren Ausbildung spricht fliessend Englisch und/oder Deutsch. Nearshoring von den USA nach Mexiko oder Kanada wird neben der räumlichen Nähe auch durch die gemeinsame Sprache positiv beeinflusst (auch in Mexiko ist Englisch weit verbreitet, sowie Spanisch in weiten Teilen der USA).

Ähnliche Zeitzonen
Weitere offensichtliche Vorteile von Nearshoring-Standorten sind geringe Zeitverschiebungen. So können Arbeitsergebnisse oder neue Aufgaben speditiv und ohne Verzögerung übergeben werden.

Sollten im Verlaufe eines Projekts Meetings stattfinden, ist die Reise innerhalb der Europäischen Union oder in andere osteuropäische Länder kostengünstiger und schneller organisiert als nach Südostasien oder Indien. Unproduktive Jetlags fallen vollständig weg.

Nearshoring im Vormarsch
Der Hauptgrund für den zunehmenden Erfolg von Nearshoring-Initiativen ist einerseits die Verringerung von Kosten und anderseits die Konzentration auf Kernkompetenzen. Obwohl die Löhne in klassischen Offshore-Staaten wie China oder Indien niedriger sind, weisen Nearshoring-Standorte verschiedene Qualitätsmerkmale auf, auf die viele Unternehmen nicht verzichten wollen. Die Fokussierung auf die Kernkompetenz ist ein Prozess, der schon seit längerem zu beobachten ist und der sich in jüngster Zeit eher verstärkt hat. Dieser Prozess der Spezialisierung gilt nicht nur für Unternehmen, sondern eben auch für Standorte.

Outsourcing, d.h. Nearshoring und Farshoring, haben zurzeit Hochkonjunktur und solange sich die Lohnkosten zwischen den Standorten stark unterscheiden, wird dieser Trend anhalten. Wie eine Kombination von Digitalisierung und Outsourcing zum beiderseitigen Nutzen verwendet werden kann, ist am Beispiel eines Schweizer Treuhänders zu beobachten.