Münze ein Frank
Posted on: May 17, 2016 Posted by: Philipp Stirnemann Comments: 0

Frankenstärke trifft vor allem die Kleinen

Während viele börsenkotierte Industriefirmen derzeit ganz passable Jahresabschlüsse vorlegen, kämpfen viele KMU mit den hohen Schweizer Kosten, die sich seit der Frankenaufwertung zusätzlich erhöht haben. Wie ausgeprägt sich die Frankenstärke auf die Profitabilität auswirkt, variiert von Unternehmen zu Unternehmen. Einen gravierenden Effekt auf die Profitabilität hat die Aufhebung des Euro-Mindestkurses bei all jenen Unternehmen gezeitigt, wo die Kosten in Franken anfallen, die Umsätze jedoch in einer anderen Währung generiert werden. Diese für Schweizer KMU ungünstige Konstellation kommt vor allem den international aufgestellten Firmen zu Gute, welche Services und Produktion an verschiedenen Standorten betreiben. Viele dieser Unternehmen haben eigene Service-Center ausserhalb der Schweiz, um administrative Arbeiten mit wenig Wertschöpfung kostengünstig auszuführen.

Vielen Betrieben in der Schweiz fehlt mittlerweile oft der Spielraum, um im eigenen Betrieb noch an den Kosten zu schrauben, obwohl die Profitabilität bereits im Keller ist. Laut einer Umfrage des Branchenverbands Swissmem operiert rund ein Drittel der Industrie­betriebe im letzten Jahr in der Verlustzone. Besonders akzentuiert dürfte dieses Problem bei den KMUs auftreten. Gerade diese kleinen Betriebe haben selten die Möglichkeit, einzelne Arbeitsprozesse in eigenen Service Center zu konzentrieren und damit die Produktivität zu erhöhen.

Überleben werden langfristig nur die Unternehmen, denen es gelingt, die Wertschöpfung hochzuhalten. Dies erreichen Sie durch hochstehende, innovative Produkte, gut ausgebildete Fachkräfte und durch Automatisierung der Prozesse, also durch eine Substitution von Arbeit mit Kapital. Weniger wertschöpfende Tätigkeiten und Nicht-Kernkompetenzen sollten daher konsequent ausgelagert werden.

Die Konzentration in einem Kompetenzzentrum bringt Spezialisierungsvorteile und höhere Qualität mit sich, während sich das Unternehmen selbst auf seine Kernkompetenzen konzentrieren kann. Zudem findet eine Risikoteilung statt. Ein Grosskonzern kann ein paar chronisch kranke Mitarbeiter oder Ausfälle wegen Mutterschaft locker wegstecken, für ein KMU kann dies eine gewaltige Belastung bedeuten. Last but not least können direkt Kosten gespart werden, angefangen von Rekrutierungskosten bis hin zu den laufenden operativen Kosten.

Leider ist es gemäss unserer Erfahrung noch immer so, dass viele KMU nicht nur keine Möglichkeit haben, gewisse Arbeitsprozesse auszulagern, sondern dass überdies nicht selten eine grosse Zurückhaltung besteht, neue Wege zu beschreiten. Zu oft wird dieser Weg erst begangen, wenn es anders nicht mehr geht. Wie jede Neuerung erfordert auch eine Auslagerung von Prozessen ein gewisses Engagement und eine gewisse Risikobereitschaft. Engagement ist immer gut und eine andere Regel hat sich in all den Jahren auch nicht geändert: No Risk – no Return.

Philipp Stirnemann

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